Ist hier heute Wandertag...??

„Ist hier heute Wandertag? Du sollst kämpfen…“ brüllt er in mein rechtes Ohr, er läuft direkt neben mir, Thomas holt mich zurück aus dem Traum voll Selbstmitleid und Jammerei. 

Ich schaue ihn kommentarlos an und nutze den wachen Moment um mich zu sammeln. (1) Es ist Roth, es tut unglaublich weh und ich habe zu Beginn des Marathon einfach überzockt. (2) Die Uhr zeigt km 38 und ein SUB11 Finish scheint immer noch möglich.

Ich laufe wieder an und denke nur noch an das was hinter mir liegt. Der letzte gute Moment war bei etwa km 35. Ich war auf Andreas aufgelaufen. Wir hatten uns am Wendepunkt bei km 28 gesehen und in meiner Wahrnehmung  lief er noch wie ein junges Reh. Als er jetzt vor mir auftauchte gab mir das natürlich nochmal einen letzten Schub. Ein kurzer Wortwechsel, dann konnte ich mich langsam an ihm vorbeischieben.

Kurz vorher etwa bei km 30 kam mir Thomas (nein, nicht der Schreihals, ein anderer Trainingspartner, er war 20 min nach mir gestartet) entgegen. Er stand und kühlte sein Knie. Ich habe ihn mit den Worten „nur noch eine Steigung“ motivieren wollen. Dass es bis dahin noch 6km sind und er dann erst bei km 28 ist verkneife ich mir. Ich bin sehr froh dass ich bisher ohne ernste Probleme laufe.

Mein Drama begann irgendwo zwischen km17 bis 21. Etwa bei km 17 lief auf einmal Janosch neben mir und versichert mir glaubhaft dass ich noch gut unterwegs bin. Ich glaube ihm und fühle mich auch noch gut. Als dann etwa bei km 21 Thomas (der Schreihals) nach meinem Befinden fragt habe ich den Faden schon verloren. Es tut nur noch weh und der Kopf beschäftigt sich nur noch mit einer Mischung aus Vorwürfen und Selbstzweifeln.

Bis hier hin war es der perfekte Tag. Das war wahrscheinlich der Grund dafür dass ich den Marathon zu schnell angegangen bin. Meine Renneinteilung auf dem Rad war zu 100% aufgegangen. Hier in Roth fährst du von einem Stimmungsnest in das nächste. Zum Glück darf man zwei Runden fahren. Das Schwimmen im Kanal ist ein riesen Spaß. Hier gibt es den ersten von vielen Gänsehautmomenten wenn du nach der Wende wieder auf die Brücke zu schwimmst. Unglaublich was hier abgeht.

Jetzt sind es noch rund 3 km. Einmal durch Roth und zurück in den Zielkanal. Das Limit ist absolut erreicht ich muss noch zwei Gehpausen einlegen. Irgendwann dann der Zielkanal. Die Beine werden wieder ganz locker, glaubt man, Janosch und Thomas stehen zum Abklatschen breit, Danke Jungs .

Ab auf den roten Teppich, der Torbogen ins Stadion, eine Welle im Teppich, ich fliege mit einem Hechtsprung ins Stadion… leider nicht weit genug, noch einmal aufstehen laufen, Zielfoto … 10:59:16    

Ich versuche gar nicht zu beschreiben was dann in dir vorgeht. 

Danke Thomas dass du dabei warst, danke für die Vorlage aus Frankfurt und danke dass du mich rechtzeitig aus dem Loch geholt hast. 

Ist halt doch ein TEAMSPORT.